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„Weiterentwicklung des Gymnasiums in Bayern“ – zum  parlamentarischen Kongress der Freien Wähler  im Rahmen des Volksbegehrens „Wahlfreiheit zwischen G8 und G9“

„Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.“ – Manfred Grau

 

Schön, dass wir uns getroffen und geredet haben…

Hmmm… was nehme ich jetzt von dieser Veranstaltung mit? Ein noch größeres Fragezeichen auf die Frage, woher es kommt, dass sich alle an Struktur und Inhalten oder manche noch an neuen Methoden (digitalisierte Lehrbücher) aufhalten, statt mal zu überlegen, WIE Unterricht / Schule sich verändern muss um zeitgemäß zu sein und die Bedürfnisse unserer Gesellschaft zu erfüllen. – Oder muss Schule das gar nicht? Bedürfnisse erfüllen? – Sie sollte doch auf das Leben vorbereiten, oder?

 

Versuche ich mich mal an einer Reihenfolge…

Nach der Begrüßung von Florian Streibl skizziert Günther Felbinger kurz die überstürtzte Einführung des G8 2003, stellt die Frage, welches Menschenbild hinter dem Konzept des G8 steht und verspricht einen Abend ohne „Schaufensterdialoge“. Die Motivation die Gymnasialzeit zu verkürzen war keine pädagogische, sondern eine ökonomische! Deutsche Jugendliche sollten schneller an den Unis landen und die Lebensarbeitszeit sollte zur Entlastung der Sozialkassen verlängert werden. Ministerpräsident Steuber wollte auch einfach schnell anderen Bundesländern zuvor kommen, daher wurde es in einer Nacht- und Nebelaktion umgesetzt. Sogar 10 Jahre danach, nach unzähligen Reförmchen und Nachbesserungen ist es nicht akzeptiert und so gar kein „Erfolgsmodell“, wie das Kultusministerium uns immer wieder glauben machen möchte!

 

Für die freien Wähler soll die Pädagogik im Mittelpunkt stehen, statt der Ökonomie. – Meiner Ansicht nach, hat das aber so gar nichts mit 8 oder 9 Jahren zu tun. Doch hofft Michael Piazolo, dass das Volksbegehren eine generelle Diskussion anstößt. Daher ist es sehr offen formuliert und die Politik sollte sich nicht anmaßen die Inhalte festzulegen.

 

Drei Impulsreferate sollten Fragen für die anschließende Diskussion liefern. Zunächst sprach Leonie Zoch, die als „Zeitzeugin“ den ersten G8-Jahrgang durchlaufen hat und ihre Erlebnisse in einem Buch festgehalten hat. (Weniger ist mehr) Sie skizziert kurz die Vorteile beider Systeme und erläutert dann die Wünsche aus Schülersicht. Sie berichtet, dass das eingesparte Jahr des G8 zum großen Teil wieder verloren ging, da sich viele Schüler nach dem Abitur erst einmal orientieren müssen, eine Pause brauchen, oder aus mangelnder Orientierung erst mal beginnen, das „Falsche“ zu studieren und dann noch einmal von vorne anfangen. Die Leistungskurse aus dem G9 wünscht sie sich auch weiterhin. Hier könne nach Neigungen gewählt werden, sie böten eine Orientierung und auch ein tieferes Eindringen in Themen statt der Oberflächlichkeit im G8. Weiterhin fordert sie, dass die Lehrpläne noch einmal gründlich überarbeitet werden, diese sollen fordern, nicht überfordern; fächerübergreifendes Lernen um den Alltagsbezug zwischen Schule und Außenwelt herzustellen, sowie eine Entlastung der Schüler, die wieder Zeit für Hobbys haben sollen, in denen sie sich entfalten und Sozialkompetenzen entwickeln können. Eine Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Eltern hält sie auch für Schüler förderlich und ein interessant gestalteter Unterricht fehlte ihr oft auch. Nicht zuletzt sollen die aktuellen Veränderungen mit gut durchdacht und mit genügend Zeit umgesetzt werden, um ein wiederholtes Chaos zu vermeiden.

 

Das zweite Impulsreferat kam von Dr. Wolfram Winger, dem Schulleiter eines baden-württembergischen Gymnasiums, das Eltern die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 bietet. Nach seiner Erfahrung wählt die Mehrheit der Eltern jedoch G9, so dass er nur dies anbieten musste. Doch auch eine Zweigleisigkeit ist möglich, vor der viele bayerischen Lehrer große Angst haben. In Baden-Württemberg haben auch die anderen Parteien den Mehrwert von G9 und den Elternwillen erkannt und empfehlen ebenso die Wahlmöglichkeit.

 

Prof. Dr. Hans Peter Klein von der Goethe Universität Frankfurt kürzte sein sonst 45-minütiges Referat stark ein und vermittelte auf die Schnelle sehr viele Informationen. Begonnen bei der hochgelobten Kompetenzsorientierung auf Kosten des Wissens, durch die Schüler erkennen müssen, dass sie nur die Aufgabenstellung für eine richtige Antwort abschreiben müssen. Viele Unis schalten dem Studium inzwischen Grundlagenkurse vor, da immer mehr studierunfähige Abiturienten in die Universitäten drängen. Klein bemängelt außerdem, dass von der Politik Studien herangezogen werden, deren Messinstrumente nicht überprüft würden. Aktuell konnte er die Aussage aus Hamburg widerlegen, dass das Turbo-Gymnasium bessere Abiturienten hervorbrächte. In dieser Studie wurde keineswegs die Abiturleistung überprüft! Um andere Kritikpunkte zu untermauern, zitierte er auch die Hattie-Studie.

 

Im Anschluss an diese vielen Informationen, die natürlich den vorgegebenen Zeitrahmen sprengten, bekam das Publikum die Möglichkeit Fragen an die Referenten und Politiker zu stellen. Themen waren hier Klassenstärken, Lehrplanreduzierung und die Frage, ob ausreichende Bildung in 8 oder 9 Jahren vermittelt werden könne. Ebenso bemängelten viele Lehrer und auch Eltern, dass die Heterogenität zu groß sei, da möglichst viele Kinder nach der 4. Klasse unbedingt aufs Gymnasium gehen sollen und durch dieses auch oft „durchgeprügelt“ werden. Diese Tatsache schade der allgemeinen Hochschulreife und mache das Gymnasium zur Hauptschule der Zukunft. Eine Frage wurde zu den Methoden und neuen Medien gestellt, die unabhängig von der Zeit- und Inhaltsdiskussion beachtet werden sollten. Darauf antwortete Michael Piazolo kurz und knapp, dass das Volksbegehren eine generelle Diskussion zum Gymnasium in Bayern in allen Bereichen anstoßen wolle. Auch diese Themen müssten dann grundlegend diskutiert werden, nicht nur die Dauer.

 

H.P. Klein bemerkte zum Ende, dass Deutschland jede Empfehlung, sei es von der ODEC oder im Zusammenhang mit der Bologna-Reform, übereifrig durchsetzen würde. So eng wäre keine Empfehlung, wie sie dann hier ausgeführt wird.

 

Generell war eine Stimmung der Unsicherheit und Angst vor neuen Veränderungen, die wieder auf dem Rücken der Schulen ausgetragen werden aus dem Publikum spürbar. Aufbruch und wirkliche Neugier auf eine generelle Reform der Bildung konnte nicht vernommen werden. Dabei wäre es wirklich an der Zeit, grundlegend etwas zu verändern. Die letzten 10 Jahre haben doch gezeigt, dass eine Aneinanderreihung von Reförmchen und Umbenennungen keine Probleme lösen, sondern immer wieder noch neue aufwerfen! Wann trauen wir uns, wirklich tief in finanzielle und strukturelle Taschen zu greifen, um innovative, der Gesellschaftsstruktur angepasste Veränderungen umzusetzen. Wissen dazu ist genügend da, ebenso wie Studien dazu. Die Hirn- und Lernforschung ist heute soweit, dass sie fundierte Ergebnisse liefern kann!

 

Wo also sind die Bremsen blockiert, die all das verhindern? Wohl auf der menschlichen Ebene… Eine grundlegende Reform würde bedeuten, dass bisherige Methoden in Frage gestellt werden müssten. Alte Zöpfe abgeschnitten und neue Wege gewagt werden müssten…

 

Doch bei allem „müssen“ stehen unendliche Möglichkeiten offen. Wäre es nicht spannend neue Wege zu gehen? Wohin hätte sich die Menschheit entwickelt, wenn nicht mutige Gruppen sich in das Abenteuer gewagt hätten?

 

Unterstützen wir das Volksbegehren, damit sich etwas bewegen kann…