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Privatschulen – die andere Seite der Vorurteile

Pressemeldung vom 05.2012 – Alexandra Lux

Das Schuljahr neigt sich dem Ende und viele Eltern überlegen sich den Übertritt ihres Kindes für das kommende Schuljahr an eine Privatschule oder haben diese Entscheidung schon gefällt.

Wer sein Kind auf eine Privatschule schickt kommt schnell in den Verruf elitär zu sein. Neid und Unverständnis schlagen den Familien entgegen. Vorurteile wie „die können es sich ja wohl leisten“ oder „jaja, wenn man etwas besseres sein will“ und „das Normale ist wohl nicht gut genug“ machen die Entscheidung oft nicht leicht, denn die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, sei es in Nachbarschaft, im Freundes- oder sogar im Familienkreis ist dann sehr gefährdet. Da der Mensch ein Herdentier ist, ist Zugehörigkeit etwas sehr wichtiges. Familien, die sich diesen Vorurteilen widersetzen und auf diese Zugehörigkeit vorerst verzichten, dafür ihren eigenen Weg gehen, den sie für richtig halten, finden in der neuen Schulgemeinschaft eine sehr hohe Zugehörigkeit! Denn dort sind alle in gewisser Weise Außenseiter. Sogar die Pädagogen!

Als Montessori-Pädagogin, die schon lange im reformpädagogischen Bereich tätig ist und Privatschulgründerin kenne ich beide Seiten der Vorurteile und konnte oftmals hinter die Kulissen blicken.

Was bewegt Eltern, eine andere schulische Laufbahn für Ihre Kinder zu wählen? Sicher gibt es die, die es auf jeden Fall anders wollen, als die breite Masse und so sicherstellen, dass jeder merkt, dass sie es sich leisten können, ihre Kinder unter Ihresgleichen zu finden. Doch das ist eine Minderheit. Elternschaft ist heute wesentlich bewusster als früher. Natürlich gibt es auch mehr Möglichkeiten, das Elternsein zu gestalten, was es nicht immer einfacher macht. Eltern sehen ihr Kind heute sehr bewusst und möchten nicht, dass andere Systeme extrem korrigierend in ihren Erziehungsstil eingreifen. Der Erziehungsstil in den Familien ist gleichwertiger, partnerschaftlicher und fördernder im Vergleich zu noch vor 1-2 Generationen. Und so erkennen Eltern, dass das Schulsystem nicht zu ihrem Familiensystem passt; denn dort herrscht, vor allem in den weiterführenden Schulen hauptsächlich Gleichmacherei, statt individualisiertes Arbeiten, Leistungsdruck statt Förderung und Entfaltung und Belehrung statt entdeckendem Lernen. Eltern ahnen sehr gut, dass ihr Kind im Regelschulsystem sehr schnell Probleme bekommen wird und damit bald auf der Abschussliste stehen wird.

Individualisiertes Leben findet sich heute überall. Jeder kauft in Geschäften die Produkte ein, die seiner Lebensphilosophie, seinem Geschmack, seinen Werten entsprechen. Man braucht sich nur die große Produktpalette mit so vielen Wahlmöglichkeiten der vielen Automobilhersteller ansehen. Jeder wählt, was zu ihm passt. Nur bei Schulen, da müssen wir nehmen, was um die Ecke ist! Im vorschulischen Bereich kann man noch eher wählen, wenn man nicht in einem Einzugsbereich wie München wohnt, wo die Plätze rar sind.

Ich sehe die wachsende Beliebtheit vor allem als Protest gegen die staatliche Schulgewalt. Denn von wirklichen Gestaltungsfreiheiten im Privatschulbereich kann man, wenn man Gründungs- und Aufbauerfahrung hat und somit mit den zuständigen Behörden kommuniziert nicht mehr sprechen! Und doch können Privatschulen im Rahmen noch mehr selbst bestimmen, als staatliche Schulen. Ausschlaggebend für Eltern, die sich für eine Privatschule entscheiden ist das pädagogische Konzept und auch die Möglichkeit am Schulleben teil zu haben und mit gestalten zu können. Etwas zu bewegen, zu bewirken und Einfluss nehmen zu können. Als Leitungsmitglied im Vorstand des Trägervereins oder als aktives Mitglied der Schulgemeinschaft. Davon lebt eine Privatschule!

Pädagogen, die sich für eine Privatschule entscheiden, tun dies ganz bewusst. Sie steigen aus, aus dem Beamtentum, sie verzichten auf die vermeintliche Sicherheit und entscheiden sich für Freiheit und Selbstbestimmung. Daher haben sie eine andere Haltung ihrem Beruf gegenüber und somit auch dem Lernen, den Kindern und den Eltern gegenüber! Das ist es, was Eltern auf der Suche nach einer geeigneten Schule fasziniert. Sie wollen ihr Kind gesehen fühlen. Oft spielen auch eigene, negative Schulerfahrungen mit in die Entscheidung oder auch Erzählungen von leidgeprüften Eltern älterer Kinder.

Freieres Lernen, individualisierter Unterricht, Verzicht auf Noten, dafür auführliche Rückmeldung zum Lernweg, altersgemischte Gruppen und damit der Wegfall der ständigen Gleichmacherei und Vergleichbarkeit, Projektarbeiten mit lebensnahen Themen und deren Umsetzung und wertschätzende Einbeziehung der Eltern in die Erziehungpartnerschaft und Schulgestaltung zeigen erfolgreich, dass Schule auch anders gelingt.

Viele Eltern, die zunächst etwas „Anderes“ suchten, erleben diese Unterschiede und binden sie in ihr Lebenskonzept mit ein. Die pädagogische Ausrichtung ist dann nur noch eine ganz individuelle Entscheidung, wenn der Wohnort sie überhaupt zulässt.

Gäbe es nicht so viele mutige Eltern, Pädagogen und Engagierte, die das Risiko des anderen Weges eingehen, dann könnten sich auch die staatlichen Schulen nicht so weiter entwickeln. Denn die vielen Neuerungen, die einfließen, stammen aus der Reformpädagogik, manchmal ganz alt, manchmal dort weiterentwickelt und an das heutige Leben angepasst. Würden sich nicht so viele Eltern entscheiden, ihre Kinder in Privatschulen beschulen zu lassen, hätte der Staat gar nicht so viele Schulplätze um seiner Beschulungspflicht nachkommen zu können!

Gäbe es nicht so viele Eltern, die für die Beschulung ihrer Kinder doppelt Geld bezahlen (Steuergelder für die staatliche Schulgeldfreiheit und das Schulgeld für die Privatschule) müsste der Staat noch viel mehr Geld für Bildung aufbringen und hätte dann aber auch nicht mehr so horrende Schulden an den Privatschulen. Derzeit beläuft sich der Betrag der zugesagten, jedoch noch nicht ausgezahlten Baukostenzuschüsse auf 720 Millionen Euro!

Also, alle, die über Privatschulen schimpfen und Vorurteile hegen, überlegen Sie sich doch mal, welchen Vorteil Sie davon haben, dass nicht alle Menschen das gleiche machen. Und allen Privatschul-Verfechtern wünsche ich weiterhin viel Mut, Ausdauer, Freude, Visionen und Kraft!!! Ich bin dabei!

© Alexandra Lux – Mai 2012