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Gymnasium

Abitur: Was nicht sein darf, kann nicht sein…

Musik-Abitur 2013 in München an einem städtischen Gymnasium. Einer der Abitur-Prüflinge fängt sofort an zu schreiben. Höchstverdächtig! – Keine Verzweiflung sichtbar, kein überlegen, wie die Fragen gemeint sind, welches Wissen, wie zusammengestellt nun dargestellt werden soll. Noch dazu ist der Schüler verdächtig schnell fertig. Bei der Korrektur fällt auf, dass seine Lösung verdächtig nahe an der Musterlösung ist! – Das KANN nicht mit rechten Dingen zugegangen sein!

Der Direktor wird verdächtigt, eine zu freundschaftliche Beziehung zu diesem Schüler unterhalten zu haben und ihm die Musterlösung vorab zugänglich gemacht zu haben! – Kann natürlich sein, ABER:

Mit welcher Einstellung wird hier vorgegangen?

Es kann nicht sein, dass ein Schüler in einer Abitur-Prüfung SOFORT beginnt, sein Wissen zu reproduzieren.

Es kann nicht sein, dass ein Schüler in einer Abitur-Prüfung sein Wissen so abgibt, dass es an die erforderliche Leistung herankommt?

Meine Frage: Wozu dient diese Musterlösung? – Sie enthält nach meinem Verständnis die Inhalte, die erwartet werden. Da darf ein Schüler nicht zu nahe kommen? – Das heißt, dass die Musterlösung gar nicht erreicht werden darf/kann?
Mit welcher Brille und Einstellung werden Schule, Bildung, Prüfungen, Schulabschlüsse, Abitur gesehen?

 

Natürlich ist es denkbar, dass der Schüler Einsicht in die Musterlösung hat haben können. – Doch selbst dann kann ich mir nicht vorstellen, dass er – ohne ausreichende Fachkenntnisse – so schnell und punktgenau all das, was in einer Abitur-Prüfung erwartet wird, wiederzugeben. 😉 Und wenn doch, dann hat er für diese Leistung erst recht eine gute Abitur-Note verdient, denn dann hat er genau das erfüllt, was in unserer Schullandschaft erwartet wird: Vorgegebenes genau so zu reproduzieren!

 

Was wäre die Alternative zur Generalverdächtigung gewesen? 

Ich finde es bemerkenswert, wie genau die Beobachtungen waren, dass dieser Schüler sofort begonnen hat, die Abitur-Aufgaben zu lösen, ebenso, dass bemerkt wurde, wie nah sie an der Musterlösung sind. Es ist auch durchaus verständlich (im herkömmlichen Schul-Blick), dass das verdächtig ist! Doch statt unlauteren Wettbewerb zu unterstellen kann sich auch die Frage auftun, wie das möglich ist, dass der Schüler ein so umfassendes Wissen hat, eine schnelle Auffassungsgabe und eine Formulierungsfähigkeit, die wohl erfahrenen Fachleuten nahe kommt. Wie wäre es, wenn da neugierig nachgefragt worden wäre? Wenn die Skeptiker sich mit dem Schüler zusammen gesetzt hätten und erweiterte Fragen gestellt hätten? – Kein Verhör, sondern ein fachliches Gespräch? – Echte Fachleute hätten dann wohl schnell gemerkt, ob sein kann, was nicht sein durfte, oder ob tatsächlich Mogelei im Spiel war.

 

Ich wünsche mir eine Wertschätzung von persönlicher Leistung, eine offene und neugierige Gesprächsebene, ein Austausch von Wissen und eine Akzeptanz von Möglichkeiten.

Abitur-Affäre

Gegen den Direktor wurde Anklage erhoben: Verdacht auf Verletzung des Dienstgeheimnisses.  – In welcher Welt leben wir? Eine Welt, die solche Vorgehen erst herausfordert! Eine Welt, die wertet, verdächtigt, klein hält!

Ein tolles Vorbild für unsere Kinder!

 

 

 

Schule macht Gesellschaft – welche Schulen brauchen wir?

 

Schulpolitische Diskussionen sind Dauerbrenner. Dabei scheinen die Fronten verhärtet und jeder versucht seine Ideen als die einzig Richtigen zu verteidigen. Aktuell geht es nicht nur in Bayern um eine neue Reform des Gymnasiums. Das überall überstürzte und aus finanziellen Gründen eingeführte ‚G8‘ gilt als gescheitert. Manche Bundesländer haben schon Konsequenzen gezogen. Bewegung bringen meist engagierte und besorgte Eltern in die Diskussionen und unterstützen Lehrer und anerkannte Forschungen um Kindern und Jugendlichen eine zeitgemäße Bildung und Schulzeit zu ermöglichen.

Auch die Initiative „Aktion gute Schule“ um Thomas Becker in München engagiert sich, Eltern zu gewinnen, sich für eine Bildungsreform zu engagieren. Auf der Seite des eingetragenen Vereins finden sich viele prominente Unterstützter mit ihren Statements zur aktuellen Bildungslage. Becker engagiert sich auf Grund eigener Erfahrungen. Der vierfache Vater war es leid, das Familienleben für die Schule zu opfern und seine Kinder nur noch lernend zu sehen, auf jeder Autofahrt irgendetwas zu büffeln und sogar im Urlaub die Schulbücher dabei zu haben. Der selbstständige Unternehmer ist es gewohnt, die Ärmel hochzukrempeln. Er hat Kontakt zu vielen Bildungspolitikern und Verantwortlichen, sowie Verbänden, die im selben Feld tätig sind. „Wir können nur gemeinsam etwas erreichen. Als Einzelner ist man verloren, wird nicht gehört. Und auch so hat man oft noch das Gefühl, dass nichts voran geht. Veränderung von Schule geht unheimlich langsam. Doch zum Glück sind auch immer mehr innovative Beispiele zu beobachten“ erklärt der Vorstand der ‚Aktion gute Schule‘.

Am Samstag, 06. September 2014 diskutiert Thomas Becker um 19:00 Uhr mit Fachleuten die Frage, welche Schulen unsere Gesellschaft braucht. Jonas Lanig von der ‚Aktion Humane Schule‘ moderiert den Abend.

 

Zu Gast sind:veranstaltung_stern

  • André Stern, Autor …und ich war nie in der Schule
  • Elfie Schloter, Leiterin Institut für Zusammenarbeit im Erziehungsbereich IFZE
  • Theresa Anne Panny, Funkenfliegerin und Schulsystemkritikerin die ihr Abitur verweigerte Artikel in der SZ
  • Simone Schild, stelv. Schulleiterin Anne Frank Realschule – Schulpreisträger 2014
  • Berthold Rüth, MdL, Mitglied Bildungspolitischer Ausschuss des bayerischen Landtags als Vertreter des Kultusministeriums

 

Karten sind im Vorverkauf für 5,00 Euro unter karten@guteschule.eu erhältlich, an der Abendkasse beträgt der Preis 6,00 Euro; Schüler und Studenten sind frei.

LiLaLu-Festzelt im Olympiapark Süd (Zugang über Ackermannstraße / Spiridon-Luis-Ring)

 

Mitveranstalter sind:

nlpaed eV., LiLaLu, Referat für Bildung und Sport München, Eine Schule für alle in Bayern e.V., Netzwerk Inklusion Bayern

 

Infos zu Veranstaltung: Aktion gute Schule – Vorhaben

Mein Leserbrief zum gescheiterten Volksbegehren der freien Wähler wurde leider nicht veröffentlicht

…doch ganz zurück halten kann ich ja auch nicht, daher veröffentliche ich ihn hier:

 

16.07.2014

Er bezieht sich auf die beiden Artikel aus der Süddeutschen Zeitung:

Wo sind die Jammer-Eltern?“ und „Staatsregierung bastelt am G8,5

 

Auf mehreren Veranstaltungen in der letzten Zeit wurde klar, dass die Diskussion um das Volksbegehren in der Öffentlichkeit und in den Medien (auch in der SZ!!) sehr verzerrt war. Viele BürgerInnen dachten, sie würden über die Doppelzügigkeit an JEDER Schule abstimmen. Auch wurde deutlich, dass die Diskussion um G8/G9 der falsche Ansatz ist. Es geht um Inhalte (nicht nur Lehrplan!) – wenn die Qualität des Lernens und Lehrens stimmt, ist es egal, ob 8 oder 9 Jahre.

Ich höre schon den Jubel der CSU, dass die breite Bevölkerung offensichtlich mit dem G8 zufrieden ist. Doch welchen Bevölkerungsanteil betrifft dieses Thema?

Ein neues Aufhübschen eines maroden Systems als Reform zu verkaufen wird der CSU nicht gelingen, da sich die Betroffenen nicht mehr blenden lassen. Claudia Langer (Schulleitung Gymnasium Oettingen) sagte gestern im Salon Luitpold: „Wer weiß, wie Lernen geht, weiß, dass so vieles nicht mehr geht.“

Wir können uns keine weitere Gymnasialreform mehr leisten, sondern müssen Lernen, Lehren und Schule über alle Schularten hinweg NEU DENKEN. Wann wird endlich verstanden, dass es bei der Bildung unserer Kinder nicht um Machtansprüche, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft geht?

Vielleicht sollte sich die Politik weitgehend aus der Diskussion zurückziehen und ein übergreifendes Expertengremium in eine kreative Design Thinking-Klausur schicken.

 

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Alexandra Lux, LernCoach – München

Gymnasium 3.0 – Die nächste Sichtweise

 

Die Diskussion um eine weitere Reform im bayerischen Gymnasium und das Scheitern des G8, sowie die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 halte ich für sehr wichtig, doch mir gefallen die Inhalte nicht wirklich! Mir bleibt die Diskussion zu sehr im Alten hängen.

2014-06-04 19.16.07 (Kopie)

Das Gymnasium in 9 Jahren war ein Gebilde, das viele Jahrzehnte mit kleinen Renovierungen und technischen Erneuerungen stabil war. Dann kam ein Sparfuchs im Investormantel und stülpte dem alten Gebäude ein neues Design mit frischen Farbanstrich über. Die Qualtiät der Innovationen war sehr mangelhaft, deshalb musste am neuen Design immer wieder nachgebessert und stabilisiert werden, bis allen Bewohnern und Besuchern auffiel, dass das auf Dauer keinen Sinn hat. Die neue Idee ist nun eine Generalsanierung des alten Gemäuers „Gymnasium“ durchzuführen. Scheinbar steht das Gymnasium als solches unter „Denkmalschutz“!

 

Bei realen Gebäuden würde das Sinn machen, sofern tatsächlich der Denkmalschutz greift. Ich mag Altes, Herrschaftliches und Traditionales persönlich sehr und bin ein Verfechter der Bewahrung des guten Alten. Man kann auch alte Gebäude im Erscheinungsbild komplett neu, mit innovativen Materialien, sinnvollen Installationen und den Vorzügen der modernen Zeit wieder aufbauen.

 

Wie wäre es, das bayerische Gymnasium neu zu denken? Gutes Altes behalten (wobei mir momentan nicht wirklich etwas einfällt) und Innovatives, Schülerzentriertes, sowie Zukunftsorientiertes einzubinden. Es gibt schon viele gute, auch erprobte Elemente auf dem Markt, die eine sehr gute, neue Architektur mit viel Praktikabilität beinhalten. Noch dazu ermöglichen sie eine große Flexibilität, die „Architektur“ auf individuelle Standortbedürfnisse anzupassen.

 

Ein paar Beispiele für das Gymnasium 3.0:

  • Lernlandschaften, -Inseln oder -Büros
  • Altersmischung
  • Herausforderungen
  • Projektarbeiten
  • Portfolios
  • Wortgutachten statt Ziffernnoten
  • Individuelle Leistungsnachweise

 

 

Diese neuen Formen ermöglichen:

  • Jahrgangsmischung
  • Selbstständigkeit, Selbsttätigkeit und Selbstwirksamkeit
  • Kompetzenzförderung
  • Individialisierung: Fortschritte und Lerntempi (also G8 oder G9!!!)
  • höhere Motivation und Wahlmöglichkeiten
  • Teamarbeit
  • Präsentationssicherheit
  • Inklusion
  • Skills, die das Arbeitsleben fordert
  • Förderung der Meinungsbildung und Kritikfähigkeit
  • Sichtbarmachung des Lernens
  • Ermöglichung der Partizipation – (Mit)Verantwortung in der Gesellschaft

 

Die große Frage bei der ganzen Reformerei ist: Brauchen wir in Zukunft wirtschaftliches Humankapital oder für die Politik den funktionierenden Untertan, oder brauchen wir mündige Bürger für eine Demokratie? – Dementsprechend werden wir Grundschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium oder Gemeinschaftsschule gestalten!

 

Wir sollten die Diskussion aufrecht erhalten! Unterschreiben beim Volksbegehren der freien Wähler zur Wahlfreiheit G8 oder G9 – Am Ball bleiben!

„Weiterentwicklung des Gymnasiums in Bayern“ – zum  parlamentarischen Kongress der Freien Wähler  im Rahmen des Volksbegehrens „Wahlfreiheit zwischen G8 und G9“

„Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.“ – Manfred Grau

 

Schön, dass wir uns getroffen und geredet haben…

Hmmm… was nehme ich jetzt von dieser Veranstaltung mit? Ein noch größeres Fragezeichen auf die Frage, woher es kommt, dass sich alle an Struktur und Inhalten oder manche noch an neuen Methoden (digitalisierte Lehrbücher) aufhalten, statt mal zu überlegen, WIE Unterricht / Schule sich verändern muss um zeitgemäß zu sein und die Bedürfnisse unserer Gesellschaft zu erfüllen. – Oder muss Schule das gar nicht? Bedürfnisse erfüllen? – Sie sollte doch auf das Leben vorbereiten, oder?

 

Versuche ich mich mal an einer Reihenfolge…

Nach der Begrüßung von Florian Streibl skizziert Günther Felbinger kurz die überstürtzte Einführung des G8 2003, stellt die Frage, welches Menschenbild hinter dem Konzept des G8 steht und verspricht einen Abend ohne „Schaufensterdialoge“. Die Motivation die Gymnasialzeit zu verkürzen war keine pädagogische, sondern eine ökonomische! Deutsche Jugendliche sollten schneller an den Unis landen und die Lebensarbeitszeit sollte zur Entlastung der Sozialkassen verlängert werden. Ministerpräsident Steuber wollte auch einfach schnell anderen Bundesländern zuvor kommen, daher wurde es in einer Nacht- und Nebelaktion umgesetzt. Sogar 10 Jahre danach, nach unzähligen Reförmchen und Nachbesserungen ist es nicht akzeptiert und so gar kein „Erfolgsmodell“, wie das Kultusministerium uns immer wieder glauben machen möchte!

 

Für die freien Wähler soll die Pädagogik im Mittelpunkt stehen, statt der Ökonomie. – Meiner Ansicht nach, hat das aber so gar nichts mit 8 oder 9 Jahren zu tun. Doch hofft Michael Piazolo, dass das Volksbegehren eine generelle Diskussion anstößt. Daher ist es sehr offen formuliert und die Politik sollte sich nicht anmaßen die Inhalte festzulegen.

 

Drei Impulsreferate sollten Fragen für die anschließende Diskussion liefern. Zunächst sprach Leonie Zoch, die als „Zeitzeugin“ den ersten G8-Jahrgang durchlaufen hat und ihre Erlebnisse in einem Buch festgehalten hat. (Weniger ist mehr) Sie skizziert kurz die Vorteile beider Systeme und erläutert dann die Wünsche aus Schülersicht. Sie berichtet, dass das eingesparte Jahr des G8 zum großen Teil wieder verloren ging, da sich viele Schüler nach dem Abitur erst einmal orientieren müssen, eine Pause brauchen, oder aus mangelnder Orientierung erst mal beginnen, das „Falsche“ zu studieren und dann noch einmal von vorne anfangen. Die Leistungskurse aus dem G9 wünscht sie sich auch weiterhin. Hier könne nach Neigungen gewählt werden, sie böten eine Orientierung und auch ein tieferes Eindringen in Themen statt der Oberflächlichkeit im G8. Weiterhin fordert sie, dass die Lehrpläne noch einmal gründlich überarbeitet werden, diese sollen fordern, nicht überfordern; fächerübergreifendes Lernen um den Alltagsbezug zwischen Schule und Außenwelt herzustellen, sowie eine Entlastung der Schüler, die wieder Zeit für Hobbys haben sollen, in denen sie sich entfalten und Sozialkompetenzen entwickeln können. Eine Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Eltern hält sie auch für Schüler förderlich und ein interessant gestalteter Unterricht fehlte ihr oft auch. Nicht zuletzt sollen die aktuellen Veränderungen mit gut durchdacht und mit genügend Zeit umgesetzt werden, um ein wiederholtes Chaos zu vermeiden.

 

Das zweite Impulsreferat kam von Dr. Wolfram Winger, dem Schulleiter eines baden-württembergischen Gymnasiums, das Eltern die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 bietet. Nach seiner Erfahrung wählt die Mehrheit der Eltern jedoch G9, so dass er nur dies anbieten musste. Doch auch eine Zweigleisigkeit ist möglich, vor der viele bayerischen Lehrer große Angst haben. In Baden-Württemberg haben auch die anderen Parteien den Mehrwert von G9 und den Elternwillen erkannt und empfehlen ebenso die Wahlmöglichkeit.

 

Prof. Dr. Hans Peter Klein von der Goethe Universität Frankfurt kürzte sein sonst 45-minütiges Referat stark ein und vermittelte auf die Schnelle sehr viele Informationen. Begonnen bei der hochgelobten Kompetenzsorientierung auf Kosten des Wissens, durch die Schüler erkennen müssen, dass sie nur die Aufgabenstellung für eine richtige Antwort abschreiben müssen. Viele Unis schalten dem Studium inzwischen Grundlagenkurse vor, da immer mehr studierunfähige Abiturienten in die Universitäten drängen. Klein bemängelt außerdem, dass von der Politik Studien herangezogen werden, deren Messinstrumente nicht überprüft würden. Aktuell konnte er die Aussage aus Hamburg widerlegen, dass das Turbo-Gymnasium bessere Abiturienten hervorbrächte. In dieser Studie wurde keineswegs die Abiturleistung überprüft! Um andere Kritikpunkte zu untermauern, zitierte er auch die Hattie-Studie.

 

Im Anschluss an diese vielen Informationen, die natürlich den vorgegebenen Zeitrahmen sprengten, bekam das Publikum die Möglichkeit Fragen an die Referenten und Politiker zu stellen. Themen waren hier Klassenstärken, Lehrplanreduzierung und die Frage, ob ausreichende Bildung in 8 oder 9 Jahren vermittelt werden könne. Ebenso bemängelten viele Lehrer und auch Eltern, dass die Heterogenität zu groß sei, da möglichst viele Kinder nach der 4. Klasse unbedingt aufs Gymnasium gehen sollen und durch dieses auch oft „durchgeprügelt“ werden. Diese Tatsache schade der allgemeinen Hochschulreife und mache das Gymnasium zur Hauptschule der Zukunft. Eine Frage wurde zu den Methoden und neuen Medien gestellt, die unabhängig von der Zeit- und Inhaltsdiskussion beachtet werden sollten. Darauf antwortete Michael Piazolo kurz und knapp, dass das Volksbegehren eine generelle Diskussion zum Gymnasium in Bayern in allen Bereichen anstoßen wolle. Auch diese Themen müssten dann grundlegend diskutiert werden, nicht nur die Dauer.

 

H.P. Klein bemerkte zum Ende, dass Deutschland jede Empfehlung, sei es von der ODEC oder im Zusammenhang mit der Bologna-Reform, übereifrig durchsetzen würde. So eng wäre keine Empfehlung, wie sie dann hier ausgeführt wird.

 

Generell war eine Stimmung der Unsicherheit und Angst vor neuen Veränderungen, die wieder auf dem Rücken der Schulen ausgetragen werden aus dem Publikum spürbar. Aufbruch und wirkliche Neugier auf eine generelle Reform der Bildung konnte nicht vernommen werden. Dabei wäre es wirklich an der Zeit, grundlegend etwas zu verändern. Die letzten 10 Jahre haben doch gezeigt, dass eine Aneinanderreihung von Reförmchen und Umbenennungen keine Probleme lösen, sondern immer wieder noch neue aufwerfen! Wann trauen wir uns, wirklich tief in finanzielle und strukturelle Taschen zu greifen, um innovative, der Gesellschaftsstruktur angepasste Veränderungen umzusetzen. Wissen dazu ist genügend da, ebenso wie Studien dazu. Die Hirn- und Lernforschung ist heute soweit, dass sie fundierte Ergebnisse liefern kann!

 

Wo also sind die Bremsen blockiert, die all das verhindern? Wohl auf der menschlichen Ebene… Eine grundlegende Reform würde bedeuten, dass bisherige Methoden in Frage gestellt werden müssten. Alte Zöpfe abgeschnitten und neue Wege gewagt werden müssten…

 

Doch bei allem „müssen“ stehen unendliche Möglichkeiten offen. Wäre es nicht spannend neue Wege zu gehen? Wohin hätte sich die Menschheit entwickelt, wenn nicht mutige Gruppen sich in das Abenteuer gewagt hätten?

 

Unterstützen wir das Volksbegehren, damit sich etwas bewegen kann…

 

 

Gymnasium in Bayern – G8 – allgemein kein Erfolgskonzept…

 

Die Weltpolitik rückt von G8 zu G7, Bildungskritiker fordern im Gymnasium von G8 „zurück“ zum neuen G9 zu

gehen. G∞ ist also irgendwie doch nicht unendlich…

 

Das zulässige Volksbegehren der Freien Wähler setzt die bayerische Bildungspolitik nun auch unter Druck, die seit Jahren geäußerte Kritik zum verkürzten Gymnasium mit seinen vielen Kosmetikmaßnahmen zu reagieren. Das Kultusministerium hält sich zurück – Strategie um später die Schelte abwehren zu können? Die Philologen legen einen Entwurf vor, Seehofer nimmt es nun letztendlich in die Hand. Noch lässt er den Ausgang völlig offen, falls konservative Kräfte in seinen Reihen sich ihm doch widersetzen, aber klar stellt er, dass er dann „klare Vorgaben“ machen wird, um den Schulen die Verantwortung abzunehmen.

 

Grundsätzlich positiv finde ich erst mal, dass sich nun Menschen mit dem Konzept auseinander setzen, die wohl tatsächlich aus der Praxis kommen, also wissen, wie das Leben im Gymnasium aussieht. Ein Konzept aus der Praxis, statt vom fernen Schreibtisch für die Praxis. Doch der Haken an dieser Sachlage ist, dass diese Praktiker evtl. betriebsblind sind – nur das Gymnasium sehen, das es in ihrer Welt gibt, also Impulse von außen keinen Einfluss haben und somit wieder „nur“ Altes neu aufbereitet angeboten wird.

Es soll ein neues G9 geben – die von den Freien Wählern geforderte Zweigleisigkeit von G8 und G9 wird von den Philologen abgelehnt. Trotzdem soll es die Möglichkeit für manche Schüler geben, das Abitur doch nach 8 Jahren zu absolvieren. Sie dürfen dann die 10. Klasse überspringen.

 

Und hier setzt mein Hauptkritikpunkt an! Homogenität gibt es nicht und Gleichschritt gehört zum Militär! Bis zur 9. Klasse sollen also alle Schüler im Gymnasium wieder im Gleichschritt durch die Jahre und den vorgeschriebenen Stoff marschieren. Nehmen wir mal das Beispiel von „Max“ (Figur erfunden): Max denkt schnell, fasst rasch auf und kann Zusammenhänge herstellen. In der Grundschule zählte er zu den schnellen und sehr guten Schülern, was sozial auch nicht auffällig, der Weg zum Gymnasium war ohne Elterliche Anstrengung möglich. Auch in der Unterstufe des Gymnasiums kommt er leicht mit und merkt immer mehr, dass er schneller versteht als seine Mitschüler und fühlt sich immer öfter durch deren Fragen und Wiederholungen ausgebremst. Seine Fragen werden nicht beantwortet, weil es das Mittelfeld der Klasse überfordern würde. Nun ist Max aber so „flexibel“ und handhabbar, dass er sich anpasst und zu Hause seinen Wissenshunger stillt. Er läuft im Gleichschritt der Gauß’schen Verteilung mit und drosselt sein Tempo, ohne auffällig zu werden. Max hält es bis zur 9. Klasse aus, dann darf er die 10. Klasse überspringen. Das Konzept hält extra Unterstützung für ihn bereit, damit er diesen Sprung gut schaffen kann see this. Max macht mit Leichtigkeit ein sehr gutes Abitur und verlässt das Gymnasium nach 12 Jahren statt nach 13. Das ist wohl das „gemeine Musterkind“ des Philologenverbandes.

 

Was aber passiert mit einem Max, der den Gleichschritt nicht mitgeht? Der aufmüpfig auf sein Tempo beharrt, bzw. gelangweilt aus der Reihe tanzt und mit allerlei originellem Verhalten auf sich und seine Bedürfnisse aufmerksam macht? Dieser Max wird es wohl nicht bis zur 9. Klasse im Gymnasium aushalten, um endlich überspringen zu können. Er wird schon vorher als nicht gymnasialtauglich aussortiert! – Können wir uns so etwas zu Gunsten der erzwungenen Homogenität leisten?

 

Aus welchem Grund wird am Gleichschritt festgehalten?

  • Was hält Lehrer / Schulen davon ab, individualisiert und altersübergreifend zu denken und zu arbeiten?
  • Aus welchem Grund bleiben offensive und funktionierende Konzepte wie z.B. das des Oettinger Albrecht-Ernst-Gymnasiums (http://www.gymnasiumoettingen.de) trotz höchster Besuche und Lobeshymnen „einzigartig“?
  • Was lässt Lehrer, die unzufrieden sind und innovative Ideen und Ansätze haben, Einzelkämpfer bleiben und was lässt sie „stillhalten“?
  • Was macht die ganze Schulentwicklung so träge?
  • Aus welchem Grund bleiben Eltern weitgehend still und ertragen das Leid ihrer Kinder – nur weil es eben so ist?

 

Ich verstehe einfach nicht,

… was den Glauben an altershomogene Klassen und pauschal-begießen der gesamten Klasse mit vorgekautem Wissen so hoch hält.

… was an Ziffernnoten so viel besser sein soll, als an differenzierter Rückmeldung.

… wozu absolute Vergleichbarkeit so wichtig ist! – Kinder sind doch keine maschinell gefertigten Produkte!

… warum die moderne Bildungs- und Gehirnforschung nicht beachtet wird.

… wie Kindheit und Jugend in unserer heutigen Gesellschaft so homogenisiert werden muss!

… was es so schwer macht, alte Zöpfe abzuschneiden.

… was daran hindert, die Idee von Schule neu zu denken und den Bedürfnissen unserer Zeit anzupassen.

… warum Schüler in die Kategorien „Mittelschule“, „Realschule“, „Gymnasium“, „Förderschule“ eingeteilt werden müssen!

 

Was ich mir wünsche?

… entdeckendes Lernen an Hand von altersrelevanten Fragen aus dem Leben und Erleben der Kinder und Jugendlichen.

… lernen mit Fragestellungen statt vorgekautes Wissen hinunterzuwürgen um es dann auf dem Altar der Noten- und Vergleichbarkeitsheiligen darzulegen.

… Erwachsene, die Kinder und Jugendliche in das Leben und Wissen hinein begleiten und ihre „Vollkommenheit“ in Frage stellen können.

… Schüler zu eigenständigem Denken ermutigen und es von ihnen einfordern.

… dass Erwachsene Verantwortung leben um Kindern ein Vorbild zu sein.

… dass in Schulen Interessensgruppen an Themen arbeiten können, egal welcher „Klassenstufe“ sie angehören, und dieses Wissen dann anderen Schülern und Erwachsenen präsentieren.

… dass Schüler Verantwortung übernehmen dürfen.

… dass unsere Gesellschaft den Mut aufbringt hier endlich etwas zu verändern, was längst überfällig ist und unsere gesellschaftliche Entwicklung garantiert!

… EINE Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen so lernen können, wie es ihre individuelle Entwicklung erfordert und Lehrer, die sie je nach Bedürfnissen fördern und fordern!

 

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Presse im Netz:

Lehrerverband will zurück zum G9 – Merkur online

Ein überfälliger Schritt – Süddeutsche

Lehrer fordern flexiblere Wege zum Abitur – Süddeusche