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Wie sieht sie aus, die gute Schule?

 

Das fragte Reinhard Kahl am 07.07.2014 in München in der Spielhalle.Die gute Schule

Zu Gast sind der Vorsitzende der Jury des deutschen Schulpreises Prof. Michael Schratz, Schulpreisträger Anne-Frank-Realschule München und die SchlaU-Schule München, die den Jury-Preis bekommen hat.

Der deutsche Schulpreis wird seit 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung an besondere Schulen in Deutschland vergeben. Der deutsche Schulpreis ist sozusagen das Gegengewicht zur Pisa-Studie. Pisa zeigt uns seit über 10 Jahren auf, was immer noch nicht funktioniert und wo die Probleme der Schulen liegen. Sie ist lernorientiert und vergleicht messbare Daten. Der deutsche Schulpreis betrachtet die WIE-Beschaffenheit von Schulen; davon werde die Jury regelmäßig überrascht, so Schratz. Dort werden Visionen gelebt, von denen man eigentlich nicht glaubt, dass sie in Deutschland umsetzbar wären.

 

Anne-Frank-Schule MünchenEva-Maria Espermüller-Jug, Schulleiterin der Anne-Frank-Schule in München, die diesjährigen Schulpreisgewinnerin erklärt, dass der Weg zum Schulpreis 2014 ein langer Prozess war. Die Setzung des Schwerpunktes auf Wissenschaft und Technik, sowie die Einführung des gebundenen, rhythmisierten Ganztag haben sich über Jahre entwickelt. Dabei haben sie sich viele gute Schulen und auch die sogenannten „Leuchtturmschulen“ angesehen und sich von diesen Schulen für ihre eigenen Konzepte inspirieren lassen. Denn ein Erfolgsmodell kann man nicht einfach 1 zu 1 übertragen, es muss an die eigenen Gegebenheiten angepasst werden. Wichtig dabei ist auch, dass das Kollegium als Team gemeinsam am Prozess beteiligt sein muss. Die LehrerInnen der Anne-Frank-Schule sehen sich auch nicht mehr als Lehrer, sondern als LernBegleiter, LernCoaches.

 

Die Schülerinnen dort lernen auch in Lernbüros. Diese Arbeit soll nun, weil sie vom Kollegium als so erfolgreich gesehen wird auf immer mehr Fächer ausgeweitet werden. Das selbstständige Lernen fördere die Schülerinnen mehr als Frontalunterricht. Dass dies bisher noch nicht in zeitlich größerem Umfang möglich war, läge auch daran, dass sie eine bayerische Schule wären, die sich an die Stundentafel halten müsse, merkte Espermüller-Jug an. Hausaufgaben z.B. gibt es an dieser Schule nicht, denn alles wird in der Schule trainiert. Die Schule ist für das verantwortlich, was die Schülerinnen lernen und können. Auch wurde der Lehrplan kritisch auf die Frage hin, was für das Leben der Schülerinnen wirklich wichtig ist, überprüft.

 

Auch Theater spielt an dieser Schule eine große Rolle: Als tusch-Schule kooperieren sie mit dem Gärtnerplatztheater. Die Schülerinnen gaben eine kurze Kostprobe ihres selbstgeschriebenen Stückes, das kurz vor der Premiere steht.

die gute Schule2014-07-07 19.48.51 (Kopie)

 

Schratz merkt an, dass Lehrer und Lehrverantwortliche eine Kompetenzlosigkeitskompetenz bräuchten, um sich überraschen zu lassen, was alles möglich ist und was SchülerInnen alles in sich tragen.

 

Die Münchner SchlaU-Schule bekam dieses Jahr den Sonderpreis der Jury. SchlaU-Schule München

Sie bezeichnet besonders die Bedürfnisorientierung aus, erzählt Schulleiterin Antonia Veramendi. Hier kämen viele junge Menschen aus aller Welt mit traumatischen Erlebnissen und vielen Hoffnungen, sowie großen Potenzialen zusammen. Immer wieder muss die Schule sich neu auf die Bedürfnisse einstellen und ausrichten. Hier ist es zunächst wichtig, dass die SchülerInnen sich wohl und sicher fühlten, um überhaupt lernen zu können. „Lernen ist die Aufgabe der SchülerInnen, das machen sie von alleine, wenn der Rahmen stimmt und den muss die Schule bieten.“ so Veramendi. Zu diesem Rahmen gehören eine sichere und entspannte, angstfreie und unterstützende Atmosphäre. In der SchlaU-Schule wird zuerst darauf geachtet, dass es den SchülerInnen gut geht.

 

In eines der vielen Projekte an der SchlaU-Schule, „Create your voice“ bekamen die Besucher einen Einblick: drei SchülerInnen trugen einen selbstgeschriebenen Text vor. Aufführung ist in den Kammerspielen am 16. und 17. Juli 2014.

2014-07-07 20.23.59 (Kopie)

 

 

 

 

 

 

 

Ein kurzweiliger Abend, der wieder einmal zeigt, was alles möglich ist, wenn Erwachsene etwas wollen und das dann umsetzen. Kahl: „Arbeiten am System heißt an den Fesseln des Systems zu rütteln.“ Das war die Essenz des Abends. Veränderung der Bildungslandschaft kommt nicht durch die Politik, sondern nur durch das Engagement der Lehrer, so Schratz. So entstehen Schulen, in denen Schüler so lernen, dass sie gleichzeitig Erfolg haben und ihre Persönlichkeit entwickelt wird!

Die gute Schule

 

Reinhard Kahl erwähnt noch eine Mc Kinsey-Studie, die aufzeigt, dass eine Investition in die frühkindliche und vorschulische Bildung und Betreuung eine betriebs- und volkswirtschaftliche Rendite von 12% zur Folge hat. Hier folgt die Frage, warum der Staat das Geld nicht so gewinnbringend investiert?

 

Michael Schratz stellt zum Schluss noch in den Raum, dass wir alle glaubten zu wissen, was wie vermittelt werden sollte…

 

Wie schade, dass der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle an einem solchen Abend nicht anwesend war. Immerhin haben zwei bayerische, Münchner Schulen den Schulpreis 2014 bekommen. Also eine Auszeichnung als BESTE deutsche Schule! – Warum wundert mich die Abwesenheit nicht?