18. Juni 2019

von Alexandra Lux

Im Bildungsausschuss werden Kinder ernst genommen

Bericht aus dem Besuch im Landtag

Wie es zu diesem Besuch kam, berichtete ich bereits vor einigen Wochen. Inzwischen waren wir dort und davon möchte ich berichten.

Die Kinder überlegten sich vorab ein paar Fragen. Wenige habe ich noch dazu beigesteuert. Besorgt fragen sie, ob sie die Fragen dann auch ablesen dürften. NATÜRLICH! – Der Besuch stand an, Mittagessen fiel aus, dafür gingen wir auf den benachbarten Spielplatz und picknickten, bevor wir uns mit einer Mutter als Begleitperson an der Bushaltestelle trafen. Während des Picknicks suchten sich die Mädchen Fragen aus, die sie gerne stellen wollten.

Nach Busfahrt und U-Bahn wurden wir von Herrn Stigler bereits an der Ostpforte empfangen. Jede von uns bekam einen Besucherausweis und wir ginge an Herrn Söders Dienstwagen (mit Blaulicht) vorbei in den Flügel der Regierungsparteien zum großen Konferenzsaal. Dort wurden wir von zwei weiteren Landtagsmitarbeiterinnen und einem kleinen Imbiss aus Obst und Yoghurt, sowie Getränken empfangen. Jede Schülerin bekam auch eine Tasche mit Giveaways des Landtags.

Zunächst waren die Mikrofone an den Plätzen interessant und wurden getestet. Frau Anna Toman (Die Grünen) und Frau Tanja Schorer-Dremel (CSU und ehemalige Leiterin der Kinderkommission) trafen auch gleich ein und erklärten den Mädchen den Raum und die Rede-Regeln. Somit könne man das Mikrofon auch von vorne abschalten, falls sich jemand – was ja nur bei den Erwachsenen vorkomme – nicht an die Redezeit halte. Die Mädchen waren sich einig, dass sie das für ihr Klassenzimmer auch wollten!

Nachdem auch Herr Peter Tomaschko (CSU) eintraf, starteten wir die Fragerunde. „Wir sind hier, weil es uns irritiert, was die Noten mit euch machen!“ lautete die die einhellige Aussage und das Interesse an den Fragen der Mädchen war ehrlich. Zum Schutz der Schülerinnen verwende ich keine Namen.

Ring frei…

FRAGE: Wollen Sie wirklich, dass Kinder traurig sind, weil sie eine schlechte Note haben?

ANTWORT: Das darf nicht sein, da müssen wir uns große Gedanken machen. Eine Rückmeldung muss schon sein, aber wir mögen hier alle keine weinenden Kinder! Wir nehmen das sehr ernst!

FRAGE: Waren Sie gut in der Schule?

ANTWORTEN: - alle drei schmunzeln… Fr. Thoman: „Naja… ich bin gerne in die Schule gegangen.“ Hr. Tomaschko: „Zuerst war ich richtig gut, und als ich älter wurde, waren mir andere Dinge wichtig.“ Fr. Schorer-Dremel: „Ich war im Gymnasium, aber in Englisch war ich gar nicht gut.“

FRAGE: Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie unsere Briefe lasen?

ANTWORTEN: Alle drei sind sich einig und antworten sehr spontan: „WOW! So etwas hatten wir noch nie! Und wir bekommen viele Petitionen! Wir finden, ihr wart richtig mutig! Petitionen, wie eure, sind uns sehr wichtig!“

FRAGE: Wie geht es, dass Noten abgeschafft werden?

ANTWORT: Das Prozedere wird den Kindern ausführlich beschrieben. Zunächst muss sich der Ausschuss einig werden, dann können sie das in die Wege leiten. Der Bildungsausschuss stellt dann einen Antrag, der im großen Plenum beraten wird. Eine Abstimmung entscheidet dann, ob der Antrag umgesetzt wird. Der Bildungsausschuss kann also die Noten nicht abschaffen. – Es war auch durchaus deutlich zu verstehen, dass das nicht seine Absicht ist.

FRAGE: Warum gibt es derzeit keine Kinderkommission mehr?

ANTWORT: Frau Schorer-Dremel war sichtlich berührt von dieser Frage. Sie antwortet sehr ausführlich und erklärt, dass die Kinderkommission (deren Vorsitzende sie ja in der letzten Wahlperiode war) keine ständige Einrichtung ist und in dieser Wahlperiode noch nicht wieder eingesetzt wurde. Ihr habe die Arbeit sehr viel Freude bereitet und sie findet die Aufgaben auch sehr wichtig!

FRAGE: Wie ging es Ihnen bei schlechten Noten?

ANTWORT: Wieder waren sich die drei einig, dass es ihnen bei schlechten Noten nicht gut ging. Man habe sich über die eigene Faulheit geärgert, aber auch über eine 4 gefreut. Sie betonten: „Noten sind das, was du draus machst!“ – Eigentlich gaben sie zu verstehen, dass man Noten nicht so wichtig nehmen sollte, sie jedoch wichtig seien, um sich selbst einschätzen zu können.

Die Mädchen im Konferenzsaal stellen ihre Fragen.

FRAGE: Wie fanden Sie Ihre Lehrer, Ihre Klasse? Gab es oft Streit?

ANTWORT: Alle waren sehr zufrieden und konnten sich an ernsthafte Streitereien nicht erinnern.

FRAGE: Mussten Sie eine Klasse wiederholen?

ANTWORTEN: „Nein.“

Zu mehr Fragen kamen wir nicht, da wir uns noch ins Plenum schleichen durften, wo gerade der Landtag zusammensaß.

Zum Schluss wurden jedoch die Mädchen noch gefragt, woher der Druck bei ihnen käme. Es kamen sehr ehrliche Antworten, die die drei Abgeordneten sichtlich erschütterten:

  • es ginge um den Schulwunsch
  • sie lernen viel und dann gibt es doch keine
    guten Noten und das Zeugnis ist schlecht
  • sie müssten am Wochenende lernen, statt Ausflüge
    zu machen
  • sie hätten keine Freizeit mehr
  • sie ärgern sich, halten sich dann für dumm und
    dann muss man auf die Förderschule

Abschied nehmen und ein DANKESCHÖN

Der kurze Ausschnitt auf dem Besucherrang im Plenum war für die Schülerinnen ebenso aufregend. Auf dem Weg dorthin lief uns noch Herr Kultusminister Piazolo in die Arme. Sie sahen Frau Schorer-Dremel, die nach unten gegangen war und einige PolitikerInnen, die sie von Plakaten kannten. Auch bei den übrigen Besuchern und unten erweckten sie sichtbar Aufsehen.

Die Schülerinnen treffen Herrn Piazolo auf dem Gang

Zurück im Konferenzsaal, packten wir alle unsere Sachen, bedankten und verabschiedeten uns. Vor dem Landtag gab es noch ein abschließendes Gruppenfoto und wir machten uns auf den Heimweg, mit der späteren UBahn.

Ich möchte mich auch bei den Mädchen bedanken für ihre offenen Worte und ihre Begeisterung, die Briefe zu schreiben. Mit diesem „Echo“ hatte ich nicht gerechnet. Doch die Wertschätzung die uns zuteil wurde hat mich ehrlich beeindruckt. Somit auch ein herzliches Dankeschön an den Bildungsausschuss, der uns allen diese Erfahrung ermöglichte. Ein Dank auch an Herrn Regierungsrat Stigler der alles organisierte und uns die Bilder zur Verfügung stellte und an Frau Tanja Vießmann-Schmell, die mich in ihrer Rolle als Mutter begleitete.

Sie fasst den Besuch aus ihrer Sicht so zusammen:

Der Besuch der Mädchen im Landtag war ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten. Die Begrüßung war sehr herzlich und die Kinder fühlten sich gesehen und ernstgenommen.

Frau Schorer-Dremel stellte dar, wie sie früher bewertete bzw. benotete: Das Augenmerk immer mehr auf das, was ein Kind gut gemacht hat. Mit einem grünen Stift statt mit Rot vermerkte sie, was sehr gut gelaufen war und die gesamte Probe teilte sie in bereiche auf. Zu jedem Teilbereich schrieb sie einen Kommentar, z. B: Mengenangaben: das kannst Du schon sehr gut, halbschriftliches Dividieren: hier darfst Du noch ein bisschen üben…….

Sie ist nicht gegen die Noten aber für eine andere Bewertung/überarbeitetes System und den verantwortungsbewussten Umgang mit Noten. Hier wäre es dann aber auch notwendig, die Lehrer zu schulen, damit alle Lehrer nach diesem System bewerten.

Peter Tomaschko war nach seinen eigenen Worten von den Briefen der Kinder beeindruckt: „Wow, so etwas hatten wir noch nie, sie haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und sind sehr mutig“ . Er erzählte von seiner Schullaufbahn und brachte von seinen beiden Jungs ein aktuelles Beispiel ein.

Anna Toman, Die Grünen, Lehrerin hat den Kindern noch mal genau erklärt, wie der Bildungsausschuss arbeitet, wie viele Abgeordnete dort mitarbeiten und wie der Ablauf wäre, wenn das Thema „Noten abschaffen“ besprochen würde.

Alle 3 haben sich viel Zeit für die Fragen der Kinder genommen und diese sehr ehrlich beantwortet. Sie haben den Kindern Mut gemacht, an sich zu glauben, ihre Einzigartigkeit zu erkennen, unabhängig von Noten. Anhand der eigenen Lebensläufe zeigten sie ihnen auf, dass es immer einen Weg gibt, seine Ziele zu erreichen unabhängig, welche Schullaufbahn man jetzt einschlägt.

Alle Bilder stammen von Herrn Stigler, die Genehmigungen der Eltern zur Veröffentlichung liegen vor.

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