23. Mai 2020

von Alexandra Lux

Ein Gast-Gedanke: Ein Vorbild für Kinder sein

IHR SEID DRAN - ein offener Brief!

Diesen offenen Brief habe ich bei facebook gefunden, bzw. wurde ich darauf aufmerksam gemacht. Da ich die Blickwinkel sehr spannend finde und dahinterstehen kann, habe ich die Erlaubnis, diesen offenen Brief hier zu veröffentlichen:

Kathrin Teipel ist pädagogische Fachkraft bei der Sentiris gGmbH und hat ihren “drei Herzen” Luft gemacht.

Liebe Eltern, Erzieher, Lehrer, Träger, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Minister, Verbände, liebe Erwachsene…
Ihr seid dran! Seid den Kindern ein gutes Vorbild und lasst Worten Taten folgen. Ihr wollt Kinderrechte im Grundgesetz? Ihr baut darauf, dass die Kinder eure Zukunft sichern und sich aktiv und konstruktiv in die Gesellschaft einbringen? Dann zeigt ihnen heute, dass ihr das auch so meint und lasst sie jetzt nicht allein zurück. Nehmt sie ernst und seht sie als mindestens so wichtig an wie die Sicherung der Wirtschaft und der bestehenden Arbeitsverhältnisse. Kinder sind nicht Mittel zum Zweck! Kinder haben Rechte!

In meiner Brust schlagen drei Herzen!

Nummer 1: Als Mama im Homeoffice

Seit Beginn der Pandemie bin ich zu Hause. Homeoffice mit einer Dreijährigen und einer Fünfjährigen bedeutet: Niemandem 100% gerecht zu werden. Sitze ich am Laptop, sind die Kinder erstmal für sich beschäftigt.

Das dauert natürlich nicht ewig und ist mit Unterbrechungen verbunden. Denn Kitakinder versorgen sich nicht sieben Stunden am Tag selbst. Haben sie Hunger, mach ich was. Durst? Auch kein Problem. Die Puppe schafft es nicht ins Kleid, ich helfe. Gibt es Streit? Einen Unfall? Ich bin da! Wollen sie einfach zeigen: „Guck mal Mama! Das hab ich gemacht.“, oder sagen: „Spiel mit!“

Also Laptop zu und ab zu den Kindern. Zwischendurch spring ich dann doch immer wieder an den Laptop, das Handy oder das Notizbuch. Um Mails, Nachrichten und Anrufe zu checken, um zu reagieren, oder um wichtige Einfälle, Gedanken oder TO-dos zu notieren. Denn die Arbeit ist jetzt zu Hause Dauergast. Sie hat sich eingenistet und auch sie ruft nach „Beachtung“. Als Mama will ich nicht, dass meine Kinder den Eindruck bekommen, sie stören mich bei meiner Arbeit. Oder, dass sie das Gefühl haben, sie seien schuld an der Situation. Ich möchte, wenn wir zusammen sind, auch tatsächlich da sein! Und nicht währenddessen auf irgendeinen Bildschirm starren oder im Zweiminutentakt sagen: „Warte!“, „Gleich!“, „Moment!“ oder „Ich muss nur noch schnell und dann….“. Es ist eine Zerrissenheit zwischen dem Wunsch, für meine Kinder da zu sein, und dem Wunsch, meine Arbeit gut zu erledigen. Und ich mag meine Arbeit. Ich habe geradezu darauf hin gefiebert, nach der Elternzeit endlich wieder meinem Beruf nachgehen zu können. Und trotzdem… Vor all dem steht immer das Wohl meiner Kinder! Denn für sie bin ich nicht einfach ersetzbar.

Was passiert also. Während ich tagsüber für meine Kinder da bin, Pirat spiele, Höhlen baue und als Mutter Martin, Bibi und Tina mit Butterkuchen versorge, bin ich, sobald meine Kinder im Bett sind, im Homeoffice. Blöd nur, dass ab einer gewissen Uhrzeit Teammeetings und lange produktive Telefonate nur bedingt möglich sind. Denn ich kann ja auch schlecht erwarten, dass andere ihre Arbeitszeit in den Abend oder die Nacht verlegen. Manchmal ist es dann auch schon mitten in der Nacht, bis ich Gefühl habe, etwas geschafft zu haben. Und dann geht’s von vorne los.

Alltägliche Aufgaben wie ein Einkauf fallen in die verrücktesten Zeiten und werden plötzlich zu einem organisatorischen Mehraufwand, weil ja die Kinder aus dem öffentlichen Leben verbannt wurden. Und eben nicht nur aus der Kita. Und wenn dann am Wochenende mein Mann zu Hause ist, nutze ich die Zeit um all das, für das ich nachts zu müde bin oder was abends einfach nicht mehr möglich ist, nachzuarbeiten. Work- Life Balance ist also nicht… Denn ich bin IMMER Mama und ich bin IMMER im Dienst und ich bin eigentlich auch noch Ich und die Frau meines Mannes, Freundin, Tochter und Enkelin. Wieviel Stunden hat ein Tag? 48?

Nummer 2: Als Erzieherin

Als ich erfuhr, dass wir die Kitas schließen müssen, machte mir das Bauchschmerzen. Was ist denn jetzt mit den Kindern? Was machen die Eltern? Wie soll das alles überhaupt funktionieren? Also schrieben wir den Kindern unserer Kita und versuchten zu erklären, was hier gerade passiert. Der Kitaträger tat dies für die Eltern. Auch um ihnen etwas Mut zu machen und Kinder und Eltern wissen zu lassen: WIR SIND TROTZDEM DA!

Dann sprach ich mit unseren Kindergarteneltern. Das beruhigte mich ungemein. Den Satz: „Das ist jetzt nicht zu ändern und wir machen das Beste daraus.“, habe ich nie so oft hintereinander gehört. Ich hörte, wie kreativ Eltern wurden und wie sehr der feste Vorsatz bestand, diese Pandemie so gut wie möglich zu unterstützen und somit eben auch die gesamte Gesellschaft. Trotz eigener Befindlichkeiten und Bedürfnisse. Das hat mich sehr beeindruckt und ich war dankbar dafür. Für die Zuversicht und den Zusammenhalt, den ich in den Gesprächen wahrgenommen habe. Wir hielten Kontakt. Die Familien konnten sich per Telefon oder E- Mail melden und in den Telefonaten ermutigte ich sie, sich jederzeit zu melden. Das taten im Übrigen auch meine Kolleg*innen! Einige nutzten diese Möglichkeit und wir unterstützten zum Beispiel bei der Vermittlung finanzieller Hilfen.

Dann wurden immer mehr Stimmen laut, die „zum Wohle der Kinder“ forderten und noch immer fordern, die Kindertageseinrichtungen, Schulen und Tagespflege schnellstmöglich wieder zu öffnen. Aber bitte mit Abstand, Maske und ohne den Eltern Eintritt zu gewähren. Mit „Betreuungssettings“.

Für diese verschiedenen Settings sollte es Laufwege geben und Aufsicht über die Waschräume, damit sich die jeweiligen Settings nicht begegnen. Nun hat das Ganze einen Stufenplan bekommen. Der eben die Regelung der Kinderbetreuung vorsieht und Kinder nach vermeintlich sinnvollen Kriterien einteilt und aufnimmt oder ausschließt. Der Bildungsanspruch ist völlig ausgehebelt. Denn die pädagogische Arbeit, die regulär in Kitas stattfindet, wiederspricht beispielsweise dem Ausschluss der Eltern aus den Kitas oder das Unterdrücken persönlicher Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit von Kindern.

Und in all diesen Überlegungen und allen Diskussionen rund um das Thema höre und lese ich immer wieder, wie wichtig die Kita für die Kinder sei, weil es ja ein Bildungsort sei, welchen Schaden Kinder nehmen, wenn sie „nur“ zu Hause bei ihren Eltern sind und dass ihnen soziale Kontakte vor allem zu anderen Kinder fehlen.

JA! - Kinder brauchen andere Kinder. Sie lernen im Umgang mit anderen Kindern schneller, leichter und haben beispielsweise weniger Hemmungen als im Beisein von Erwachsenen. Auch das freie Spiel in reinen Kindergruppen ist für sie wichtig. Also Kindergruppen, die sich selbst und weitgehend ohne das Eingreifen von Erwachsenen organisieren. Und klar, wir als Erwachsene sind nie so gute Spielpartner wie Kinder.

Und es stimmt: Kita ist wichtig!

Damit sich eben genau solche Kindergruppen finden können. Damit Kinder die Möglichkeit haben, sich selbst zu bilden und herauszufinden, wo ihre Interessen, Begabungen und Talente liegen. Und da machen wir uns nichts vor… damit Eltern ihrem Beruf nachgehen können.

Auch das ist ein Grund, warum Kinder in Deutschland in Kindertageseinrichtungen gehen. Und das ist okay. Wenn das Kind dem gewachsen ist!

Und da wären wir beim letzten Argument: Kinder nehmen zu Hause Schaden? Einerseits werden Eltern als Experten für ihre Kinder bezeichnet und andererseits schaden sie ihnen? Wenn ein Kind neu in eine Kita kommt, wird es eingewöhnt. Langsam und Stück für Stück. Gemeinsam mit einem Elternteil. Damit die Beziehung zwischen dem Kind und der Fachkraft aufgebaut werden kann. Das geschieht über die vorhandene Beziehung zwischen Kind und Eltern. Eltern werden bereits im Vorfeld mit ins Boot geholt, um einen guten Austausch zu garantieren und um das Kind und seine Familie kennen zu lernen. Eltern spielen im Leben ihrer Kinder IMMER die erste Geige.

Mama und Papa sind die ersten Helden und meist bleiben sie es. Egal wie nett und lustig Erzieherin A oder B ist. Und ich bin überzeugt Eltern setzen Kinder in die Welt, weil sie sie lieben, für sie sorgen wollen und über ihre Grenzen hinaus tun was sie können, um für ihre Kinder da zu sein. Auch während Homeoffice und Pandemie.

Als Erzieherin irritiert es mich, dass nun das Kindeswohl als Argument genutzt wird, um Druck zu machen. Druck, um bald wieder alle Kinder in der Betreuung zu wissen. Zweitrangig unter welchen Bedingungen. Nicht unter dem Gesichtspunkt der Pandemie und der Hygiene, sondern vielmehr unter dem der gesunden Entwicklung. Der Druck, der entsteht macht was mit den Kindern.

Und aus Sicht einer Erzieherin sag ich… Die Familien, also die Eltern sind in allererster Linie für ihre Kinder verantwortlich. Und das immer. Ich würde mir wünschen, dass der Druck, der Ärger und die Wut nicht bewirken, dass die Kinder dafür geradestehen müssen, sondern die Arbeitgeber und die Politik die einmalige Chance nutzen, um sich stark zu machen. Für Familien, für Eltern und Kinder! Und somit sowohl das Recht der Kinder auf elterliche Fürsorge unterstützen als auch für Eltern, die in Tag und Nachtschicht arbeiten, um all das irgendwie zu schaffen. Auch sie brauchen Unterstützung!

Ihr sagt Kinder sind unsere Zukunft. Dann tut was für sie!

Nummer 3: Aus der Sicht eines Kindes

Von heute auf Morgen ist alles anders…

„Keine Kita, keine Schule, kein Treffen mit Oma und Opa, kein Spielplatz, kein Schwimmbad, kein Bolzplatz, kein Zoo, keine Eisdiele, kein Treffen mit Freunden und nicht mal mit Mama und Papa wie gewohnt einkaufen und mir was Leckeres aussuchen…

Aber zum Glück sind ja Mama und Papa da. Das ist schön! Die spielen bestimmt ganz viel mit mir und wir toben und kuscheln. - Aber jetzt geht’s gerade nicht. Weil das Telefon klingelt. Und jetzt findet so ein komisches Treffen am Computer statt und wir sollen allein spielen, damit die Erwachsenen in Ruhe reden können. Aber danach bestimmt…

Hhhmm… Jetzt muss gekocht werden. Und die Waschmaschine piept. Ohje…schon so spät. Jetzt wird zu Abend gegessen und dann ist Schlafenszeit…

Ich will aber noch Spielen! Und ich hab Hunger! Ja doch nochmal. Und Durst hab ich auch. Und ich habe auch Bauchweh. Liest du mir noch eine Geschichte vor? Mir fehlt mein Kuscheltier. Das brauch ich heute unbedingt noch. Ohne das kann ich nicht schlafen. Ich will noch kuscheln. Bleibst du noch bei mir? Ich will einfach noch Zeit haben mit dir!

Und jetzt schimpfst du und runzelst die Stirn. Ich hab doch gar nichts gemacht. Warum bist du denn sauer auf mich?“

Kinder verstehen eine ganze Menge und sie schaffen auch viel. Sie sind stark und halten ordentlich was aus. Außerdem haben sie den großartigen Vorteil und die Fähigkeit, sich in ihrer Fantasie und ihrem Spiel zu verlieren. Hilfreich, um schwierige Umstände zu verspielen und zu verarbeiten. Allerdings sind Kinder die absoluten Verlierer dieser Pandemie. Sie sind all den Neuerungen und Regelungen ausgeliefert, ohne selbst Einfluss nehmen zu können. Sie befinden sich in einer Dauerwarteschleife. Sie warten auf uns und darauf, Oma, Opa und ihre Freunde endlich wiederzusehen. Sie warten darauf, wieder am Leben teilnehmen zu dürfen und nicht ausgeschlossen zu werden.

Sie brauchen uns! Denn sie sind schutzbedürftig. Und das nicht nur, wenn es Entscheidungen zu treffen gibt, für die wir sie für zu klein und zu unwissend halten. Sondern immer! Sie brauchen uns als Versorger mit Nahrung, Pflege und einem Zuhause. Sie brauchen uns, damit sie wissen:

Du bist nicht allein. Ich sehe und höre dich und bin für dich da. Ich interessiere mich für dich, deine Gedanken und Gefühle. Ich bin ehrlich zu dir. Ich hab dich lieb!

Und sie brauchen uns als Erwachsene, damit sie erfahren, was passiert, damit sie gehört werden und ihre Meinung äußern dürfen. Damit sie ihr Recht auf Mitbestimmung wahrnehmen können.

Vergesst das nicht und werdet eurer Verantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht!

Danke, Kathrin Teipel für diese Gedanken zu den Bedürfnissen und Rechten der Kinder, um die es viel zu selten wirklich geht. Meist dreht es sich um die Bedürfnisse der Erwachsenenwelt...

Wir sind alle dazu aufgerufen, für die Rechte der Kinder einzustehen. Sie müssen im Grundgesetz verankert werden

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