12. January 2020

von Alexandra Lux

Nicht die Kinder sind „falsch“

Wann hören wir endlich auf, den Kindern die Schuld am
Schulversagen zu geben.

Ich komme mal wieder auf den Gedanken und in mir brodelt es, da ich gerade einen Beitrag aus einem online-Lern-Kongress höre. Es gibt inzwischen viele engagierte und gut ausgebildete LernCoaches – oder –Trainer. Meist kommen sie aus ihrem eigenen Leidensweg mit ihren eigenen Kindern auf diesen Weg und machen viele Weiterbildungen, die oft auf Diagnosen oder Defizitorientierung aufgebaut sind.

Ich erkenne, dass all die angebotene Unterstützung aus bestem Willen und mit viel Herz gegeben wird.

Doch es sind 1000 Kniffe und Tricks, wie Kinder manipuliert werden können, das zu tun, gegen das sie rebellieren! – Sie werden aufgezeigt, damit die Kinder in der Schule funktionieren können, nicht mehr auffallen, gut mitlaufen und möglichst gute Noten bekommen, damit sie „alles“ erreichen können.

Die Ursache wird am falschen Ort gesucht

Kinder zeigen mit ihren „Schwierigkeiten“ und „Auffälligkeiten“, dass das, was um sie herum passiert nicht passend ist für ihren (Lern)Weg. Nun holen sich Eltern Hilfe, weil in der Schule sofort die Schuld dafür auf die Kinder geschoben wird. Das ist aus Elternsicht erst mal völlig legitim! Doch was zeigt es dem Kind? – Du bist zu langsam, zu schlecht, du kannst das nicht, du brauchst extra Hilfe… usw. 

Wann hören wir also endlich auf, die Kinder für das verantwortlich zu machen, wenn das Lernen einfach nicht funktioniert? Warum etwas nicht funktioniert ist so vielfältig, wie es Menschen gibt. DAS eine Lernen gibt es nicht und auch, was in einer Klasse angeboten wird, passt nicht für alle, die dort sitzen!

Vorteile individuellen Lernens

Wäre Lernen individuell, wäre allen geholfen. Lernende könnten sich aussuchen wann sie was bearbeiten, wie lange sie für etwas brauchen (dürfen). Lehrende, bzw. Menschen, die Lernende auf ihrem Lernweg begleiten, können diese individuell unterstützen uns auf ihre Bedürfnisse eingehen. Das hat nicht mit der oft genannten „Kuschelpädagogik“ zu tun (was immer das auch sein soll…). Es geht um das Lernen, das JEDER kann, zu leben. Jeder Mensch kommt mit einem großen Lernpotenzial auf die Welt. Müssten wir das Lernen erst lernen, wie würden wir dann überhaupt die ersten Jahre überleben? Und laufen oder sprechen lernen?

Individuelles Lernen funktioniert erfolgreich. Das zeigen viele alternative Schulkonzepte und auch Projekte in Regelschulen. Wahrscheinlich ist das der Grund, dass es in Bayern so viele Privatschulen mit einer übergroßen Nachfrage gibt.

Was also muss sich ändern?

NICHT die Kinder. Es müsste auch nicht noch mehr Angebote geben, die Kinder unterstützen, dass sie in der Schule mitschwimmen können. Die SCHULE muss sich ändern. Die ART des Lehrens!

Die Aufgabe der Schule ist es, das Gelingen zu organisieren, nicht das Misslingen zu dokumentieren.

Otto Herz

Die Wissenschaft weiß seit langem, dass das, was noch immer gemacht wird nicht zukunftsweisend und nicht gehirnkompatibel ist. Dass doch so viele gut abschneiden, zeigt nur, dass der Mensch generell höchst anpassungsfähig ist.

Hören wir endlich auf, Kinder zu manipulieren, dorthin wohin wir sie haben wollen. Nehmen wir sie endlich in ihren Bedürfnissen und Kompetenzen wahr!

Aufruf

LernCoaches, Lerntrainer und Lerntherapeuten, schließt euch zusammen und unterstützt die Bildungsreformer, damit Kinder endlich mit Freude lernen dürfen und nicht mehr zurecht gebogen werden müssen! – Auch wenn ihr eure Sache mit Herzblut macht! Meine Vision ist es, dass ihr an den Schulen mit unterstützt und nicht in Praxen und Programmen, die Eltern auch noch selbst und zusätzlich bezahlen müssen. Das hat nichts mit Bildungsgerechtigkeit zu tun! Und Eltern sind zu Hause keine Ersatzlehrer. Eltern sollen mit ihren Kindern Beziehung leben!

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